Testosteronmangel – überschätzte Häufigkeit

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Fast wöchentlich präsentieren Patienten nach einer Urologischen Durchuntersuchung den Wunsch, ich möge bei der fälligen Blutabnahme das Testosteron mitbestimmen. Auf Nachfrage, warum sie glauben, dass es dafür eine Notwendigkeit gibt, werden meist sexuelle Probleme angegeben, die in sehr seltenen Fällen einen Hormonmangel als Hauptursache haben: Erektionsstörungen, vorzeitiger Samenerguß, aber auch Störungen der sexuellen Lust, die nach kurzer Abklärung offensichtlich ganz andere Gründe haben. Letztlich hoffen diese Patienten auf eine „körperliche“ Ursache für ihre Probleme – also: geschwind ein Medikament geschluckt und alles funktioniert wieder so wie vorher, oder sogar noch besser….

In Fernseh- und Zeitungsberichten wird die Realität oft verzerrt und die Häufigkeit des Hormonmangels übertrieben. Schon kleinste Schwankungen sollen auf jeden Fall gefunden und sofort behandelt werden, so möchte es zumindest die Pharmaindustrie, die diese Beiträge unterstützt  (der Testosteronersatz kostet bei einem Patienten ca. 800.- bis 1.000.-€ pro Jahr – ein Leben lang).
In meiner Ordination gibt es derzeit durch die korrekte Indikationsstellung lediglich 12 Patienten, die eine dauerhafte Testosteronersatztherapie bekommen und die Zahl ist seit Jahren ziemlich unverändert.

Einen „Wechsel“ wie bei der Frau, also das rasche Absinken des geschlechtsspezifischen Sexualhormons in einem kurzen Zeitraum, gibt es beim Mann nicht. Es kommt wohl zu einem langsamen Absinken des Testosteronspiegels – ca.0,5% pro Jahr – aber dadurch bekommt der Organismus Zeit sich auf niedrigere Werte einzustellen und es wurden in den letzten Jahren sogar altersspezifische Grenzwerte diskutiert.

Die Hauptaufgaben des Testosterons:

  • männliche Geschlechtsentwicklung,
  • Sexueller Antrieb
  • Samenzellreifung
  • Einfluß auf Haarwachstum, Bart, Haut (Akne)
  • Muskelaufbau, Knochen- und Knorpelneubildung
  • Verbesserung der Herzleistung und des koronaren Blutflusses
  • Senkung des Gefäßwiederstandes, Einfluß auf den Blutdruck
  • Steigerung der Erythrozytenbildung
  • Psychogene Wirkungen – und Nebenwirkungen

Beim krankhaften Testosteronmangel stehen Befindlichkeitsstörungen im Vordergrund, Lustlosigkeit jeglicher Art, natürlich auch Störung der sexuellen Libido, Abgeschlagenheit, Antriebslosigkeit, bis hin zu depressiver Verstimmung.
Beschleunigt wird der Testosteronmangel durch starkes Übergewicht mit hohem Anteil an Bauchfett, sowie unbewältigten psychischen Stress bis zum „Burn out“.

Die Bestimmung des Blutwertes muss in den frühen Vormittagsstunden erfolgen (empfohlen 8-10h). Finden sich im Abstand von 3-4 Wochen wiederholt stark erniedrigte Werte, muss über einen Hormonersatz nachgedacht werden. Die derzeit verbreitetste  Form der Testosteronsubstitution ist die Gabe einer Depotinjektion alle 10-14 Wochen. Diese Therapie ist dann eine lebenslange, denn durch die Zufuhr des Hormons, stellt der Körper die Produktion im Hoden praktisch vollständig ein!

Komplikationen wie beim Hormondoping im Sport gibt es beim verantwortungsvollen Einsatz nicht, da gerade einmal das ersetzt wird, was dem Körper fehlt. Einige Studien zeigen auch eindeutig, dass es dabei keinen Einfluß auf die Prostatakrebsentstehung gibt.

By Gerhard Hafner | 14. Januar 2018 | Aktuelles | Keine Kommentare


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